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Cushing: Wenn der Napf plötzlich heilig wird

Trinkt ein Hund auffällig viel, muss häufiger nach draußen und schaut beim Fressen, als hätte er seit Wochen nichts bekommen, kann dahinter das Cushing-Syndrom stecken. Medizinisch spricht man vom Hyperadrenokortizismus: Der Körper ist dauerhaft zu viel des Stresshormons Cortisol ausgesetzt. Betroffen sind vor allem mittelalte und ältere Hunde.

Meist liegt die Ursache in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Ein dortiger, häufig kleiner Tumor produziert zu viel ACTH (das Hormon Adrenocorticotropin) – es treibt die Nebennieren zur Cortisolbildung an. Seltener sitzt der Auslöser direkt in einer Nebenniere. Auch eine längerfristige Kortisonbehandlung kann Cushing verursachen.

Typische Hinweise sind starker Durst (Polydipsie), vermehrtes Wasserlassen (Polyurie), großer Appetit (Polyphagie) und häufiges Hecheln. Viele Hunde entwickeln einen rundlichen „Hängebauch“, obwohl gleichzeitig Muskulatur abgebaut wird. Das Fell kann dünner werden oder symmetrisch ausfallen, die Haut wirkt mitunter fein und empfindlich. Manche Hunde werden träge oder suchen kühle Plätze. Kurz gesagt: Der Hund benimmt sich manchmal, als hätte jemand gleichzeitig Durst-, Hunger- und Heizungsschalter auf „volle Kraft“ gestellt.

Diagnose und Behandlung

Da ähnliche Beschwerden auch andere Ursachen haben können, lässt sich Cushing nicht an einem einzelnen Symptom erkennen. Blut- und Urinuntersuchungen liefern erste Hinweise. Für die weitere Abklärung kommen spezielle Hormontests wie der Low-Dose-Dexamethason-Suppressionstest oder ein ACTH-Stimulationstest infrage. Ultraschall und gegebenenfalls weitere Bildgebung helfen anschließend dabei, die Ursache einzugrenzen.

Die Behandlung richtet sich nach der Form der Erkrankung. Bei vielen Hunden wird die übermäßige Cortisolproduktion medikamentös gebremst. Bei bestimmten Nebennierentumoren kann eine Operation sinnvoll sein. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen, denn auch zu wenig Cortisol kann problematisch werden.

Cushing ist meist keine Erkrankung, die nach einer Tablette höflich die Tür hinter sich schließt. Mit einer gut eingestellten Therapie und konsequenter Überwachung lassen sich die Beschwerden jedoch häufig deutlich verbessern. Wer Veränderungen bei Trinkmenge, Appetit, Fell oder Körperform bemerkt, sollte sie deshalb tierärztlich abklären lassen – lieber einmal genauer hinschauen, bevor der Wassernapf zum Vollzeitprojekt wird.